Trennungsgespräche - ein Wettlauf um Glaubwürdigkeit

Kündigungsgespräche: das notwendige Übel 

Das Trennungsgespräch ist kaum zu unterbieten. Diese Unterhaltung gehört sicherlich zu den schlimmsten im Leben eines Arbeitnehmers. Doch auch HR-Abteilungen und Führungskräfte werden stark gefordert. Manche fühlen sich überfordert.

Der  Startschuss fällt für den Arbeitnehmer, wenn er dem Chef vor dem Gespräch die Hand gibt -  während die Manager da schon einen großen Teil der Arbeit hinter sich haben sollten. Denn die Zeiten sind vorbei, als ein Manager die Arbeitnehmer nur beaufsichtigen musste. Heute  wird ein komplexes Kommunikationsverhalten erwartet, psychologische Kenntnisse und emotionale Intelligenz. Deshalb suchen immer mehr Manager die Kooperation mit einem Coach.

Warum ist der Kündigungsprozess heutzutage anspruchsvoller als vor 20 Jahren?

Seit der Krise in der Folge des 11. 9. 2001 gab es in Deutschland keine größeren Entlassungen mehr. Es hat sich wie selbstverständlich eine Wachstums- und Harmoniekultur eingespielt. Manchmal verschwamm die Grenze wischen  Freizeit und Arbeit. Fachkräftemangel und die  Digitalisierung lösten zum Teil die Hierarchien auf.

Einseitiger Vertragsbruch führt zur psychischen Verletzung

Was eine gute Führungskraft ausmacht, ist für Arbeitnehmer laut  mehreren Umfragen klar:  

27 Prozent sagen, wenn der Manager Vertrauen zu den eigenen Mitarbeiter hat. Vertrauen kann  erworben oder verloren werden, missbraucht oder gestärkt werden. Ein zartes Pflänzchen – das beim Szenario der Entlassung eines Kollegen auf dem Spiel steht.

Das hat auch mit einem psychologischen Phänomen zu tun:  Wissentlich oder unbewusst schließen Arbeitnehmer einen psychologischen Vertrag  mit ihrem Unternehmen ab – niemand sonst kennt diesen Vertrag.

Verletzt ihn nun die  Firma, fühlt er sich betrogen, reagiert aggressiv. Auch Entlassungen von Kollegen können den Vertrag für manche Nicht-Betroffene infrage stellen.  Der psychologische Vertrag umfasst Pflichten (Loyalität oder gute Arbeit)  und Rechte (Arbeitsatmosphäre, Sicherheit).

Der  Vertragsinhaber  hat genaue Vorstellungen über das Limit, das das Unternehmen niemals überschreiten darf – etwa Veränderungen, Kündigungen, etc. Manche rächen sich sogar an ihren Kollegen, oder die Arbeitsleistung aller lässt nach.

Teufel im Detail

Das Trennungsgespräch ist eine traumatische Erfahrung für den entlassenen Mitarbeiter, aber auch für den damit betrauten Manager. Dabei können bereits vermeintliche Selbstverständlichkeiten zum Problem werden. Niemand hat ein Interesse daran, den Gekündigten noch mehr aufzubringen. Erstens spricht sich das in der Branche herum. Was aber zweitens nicht zu unterschätzen ist: 

Die verbleibenden Mitarbeiter  - es könnte ja jeder der nächste sein – lassen sich solche Gespräche haarklein erzählen. Im negativen Fall kann das Betriebsklima leiden – und auch die Produktivität.

Die  Art und Weise, wie Entlassungen ablaufen,  beeinträchtigt die Qualität der Beziehung zu denen, die bleiben. Es geht um nichts Weniger als die Glaubwürdigkeit des Managements zu erhalten.

Was kann getan werden?

Es gibt erstaunlich einfache Rezepte: Je besser der Manager das Dossier kennt, desto souveräner kann er auftreten.  Und je besser er den Ablauf des Kündigungsgesprächs im Kopf hat, desto klarer ist seine Ansage. Je nach Bedarf kann  der Manager auch den ersten Satz oder andere Partien auswendig lernen.

Die Manager müssen in die Gesamtaktion einbezogen werden. Jedem muss klar sein,  wie wichtig diese Aktion ist.  Wer sich drückt („Das waren die anderen!“) könnte sogar seine    Führungsposition im Unternehmen verlieren.

Auch wenn sie von den Vorzügen von Restrukturierungsplänen überzeugt sind, fühlen sich die Manager unwohl.  Abgesehen von dem Gefühl der Schuld, fürchten viele die unkontrollierte Geste, den Selbstmord, für den man sie mehr oder weniger verantwortlich machen würde. Aus diesem Grund zielen manche Schulungen darauf ab, das  Gespräch  so weit wie möglich unpersönlich zu halten. Dabei wird jedoch der Mitarbeiter zur Sache degradiert und dadurch das Eintreten der Befürchtungen des Managers gefordert. Aber wie gelangt der verantwortungsvolle Manager auf den goldenen Pfad zwischen empathischer, würdevoller, wertschätzender Gesprächsführung und professioneller Distanz, um sich selbst zu schützen?

Learning by doing

In manchen Betrieben gibt es bereits Trainingstage  für Trennungsgespräche - zwischen  einem bis drei Tagen.

Es geht darum, ihnen eine Methodik für die Durchführung zu geben, auf die sie sich verlassen können. Ist Smalltalk angebracht? Wie mit emotionalen Ausbrüchen des Mitarbeiters umgehen? Wie den eigenen Stress managen, der oft bei Tag und Nacht besteht? – Einige exemplarische Fragen, um das Dossier der verantwortlichen Führungskraft zu umreißen. Besonders pfleglich ist mit Arbeitnehmern umzugehen, die persönlich nichts falsch gemacht haben, etwa bei betriebsbedingten Kündigungen. Dass es nicht um ihn  geht, sondern um seinen Posten. 

Auswendig gelernte  Passagen

Folgendes wollen die Führungskräfte  im Kündigungs- oder Aufhebungsgespräch kommunizieren: Die Ausgangslage, also die Trennungsgründe, ggf. die Kündigung selbst und den Termin, zu dem die Trennung erfolgt. Je besser  die Bestandteile des Trennungsgesprächs verinnerlicht sind, desto klarer können Sie sie auch kommunizieren ohne etwa ins Stocken zu geraten.

Ärger ist hier nicht am richtigen Platz. Ein Kündigungsgespräch sollte nicht den Zweck haben, seinem Ärger Luft zu machen und dem Mitarbeiter vorzuwerfen, was schon immer gestört hat. Professionell und korrekt bleiben, selbst wenn der Mitarbeiter nicht sachlich bleibt.

Bei einer Schulung kann  ein Aktionsplan für  den Ernstfall aufgestellt werden. Auch  Sicherheitsvorrichtungen für den Fall, dass die Wut körperlich ausgetragen wird.  Nach einer Schulung soll der Manager sagen: „Es wird schwierig, aber  ich kann mich an den roten Faden halten.“

Oft bietet auch das Unternehmen keinen guten Rückhalt. Einige Fehler passieren, weil das Unternehmen als Ganzes schlecht vorbereitet ist.

•     In der Krise wird Personalabbau über‘s Knie gebrochen, von Planung kaum eine Spur.

•     In der Hektik bleibt kaum Zeit, die Entlassungs-Dossiers vorzubereiten.

Das erschwert natürlich auch den vernünftigen Umgang mit den Arbeitnehmern.Es kann nicht genug betont werden, dass Trennungsgespräche einer guten Vorbereitung bedürfen. Das ist nicht alles, aber ohne diese Vorbereitung ist alles nichts.

 

Interessantes

Studie zur Altersheterogenität –

Chancen nutzen, Risiken reduzieren mehr …

Wer geht, wer bleibt

Augen auf bei der richtigen Auswahl mehr …

Aus Erfahrung gut –

das Wissen der Routiniers nutzen mehr …

Suizidserie nach Restrukturierung -

Ein Urteil gegen „toxische Methoden“ mehr …

Der gläserne Gesprächspartner

Kognitive Empathie leicht gemacht

von Margit Wietzorrek mehr …